Der Tödliche Stich Der Hornisse
- Lacerta Bilineata

- vor 10 Stunden
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Der Stich einer einzigen Hornisse tötet ein Baby, drei Hornissen können einen Erwachsenen töten, und sieben Hornissenstiche töten ein Pferd - solche (oder ähnliche) Geschichten haben wir fast alle schon mal gehört. Aber wie gefährlich und aggressiv sind Hornissen tatsächlich?

Hornissen sind durchaus eine tödliche Bedrohung, allerdings nur für ihre Beutetiere, welche sie mit beeindruckender Effizienz jagen - für Menschen stellen diese faszinierenden und wundschönen Insekten keine grössere Gefahr dar, als Bienen oder Wespen.
Im Gegenteil: anders als Wespen sind Hornissen in der Regel nicht aggressiv, und sie interessieren sich auch nur höchst selten für die Leckerbissen auf unseren Tellern. Und gerade Wespen werden von Hornissen besonders häufig erbeutet, somit sorgen die grossen Jäger für eine natürliche Regulation ihrer kleineren Verwandten.
Ausgewachsene Hornissen ernähren sich vor allem von kohlenhydratreichen Pflanzensäften und reifem Obst (sie verursachen dabei aber keine relevanten Schäden in Gärten oder Obstanlagen); die Larven im Nest werden hingegen mit Protein gefüttert, weswegen die Erwachsenen auf Insektenjagd gehen.

Wespen, Fliegen, Bremsen und Mücken (und viele weitere Insekten) gehören zum ihrem Beutespektrum; einmal erwischt, wird das Opfer innert Sekunden "zerlegt" und nur der Körper ohne Kopf, Beine und Flügel zu einem Brei zerkaut ins Nest transportiert, welcher dann an die Jungen verfüttert wird.
Menschen werden in der Regel nur gestochen, wenn sie sich dem Nest zu sehr nähern oder aus Versehen auf eine Hornisse treten oder eine anfassen, denn die Insekten stechen nur zur Verteidigung. Ein Stich ist zwar schmerzhaft, aber höchstens für Allergiker gefährlich.
Wenn man sich einem Nest zu sehr nähert (näher als bis auf 3 - 5 Meter), dann greifen Europäische Hornissen normalerweise noch nicht direkt mit ihren "Waffen" an, sondern die ausfliegenden Wächterinnen versuchen, mit "Scheinangriffen" den Eindringling zu vertreiben. Erst wenn das nicht den gewünschten Effekt hat, wird der Stachel eingesetzt.

Nicht zu verwechseln ist unsere rotbraun-gelb gefärbte einheimische Hornisse (Vespa crabro) mit der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina), welche etwas kleiner, schlanker und fast schwarz ist. Letztere ist bei uns in Europa eine invasive Art, welche besonders an Bienenvölkern grosse Schäden anrichtet. Auch reagiert sie deutlich aggressiver, wenn man ihrem Nest zu nahe kommt.
Im Gegensatz dazu darf die einheimische Art als friedlicher Nützling betrachtet werden, und in Deutschland (sowie - lokal - auch in Österreich und in der Schweiz) stehen die beindruckend schönen Insekten unter Naturschutz.
In meinem Garten im Tessin (Schweiz), wo all die hier gezeigten Fotos gemacht wurden, sind Hornissen (ausser im Winter) stets präsent: auch nachts, da sie im Gegensatz zu ihrer asiatischen Verwandten auch während der Nacht aktiv sind.
Wenn ich reife Feigen oder Trauben ernte, dann kommt es oftmals zu nahen Begegnungen, und das wütende Gebrumm, wenn ich die Tiere störe, klingt durchaus bedrohlich. Aber obwohl sie mich gerne lautstark daran erinnern, ihnen den gebührenden Respekt zu zollen, haben sie mich während über 40 Jahren des Zusammenlebens im Garten nicht ein einziges Mal angegriffen oder gestochen.

Wenn ich draussen Frühstücke, sorgen sie zudem dafür, dass ich kaum von Wespen gestört werde. Aller eingangs erwähnten "Horror-Geschichten" zum Trotz sind Europäische Hornissen also richtig gute Nachbarn, vor denen sich niemand zu fürchten braucht.

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